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Überfischung der Meere

Artur Bippus, 26.04.2021

Der heutige Blogartikel beschäftigt sich mit der Überfischung unserer Meere und Ozeane. Anlass dafür, das Thema zu behandeln, war der Film, der in dem ersten Monat nach Erscheinen sofort die Trends von Netflix gestürmt hat und die ersten Wochen lang in den Top 10 der meistgesehenen Filme war.

Es handelt sich um den Film Seaspiracy, welcher die Zustände der Meere und die verheerende Wirkung der Fischereiindustrie in unterschiedlichen Facetten aufzeigt. Der Film polarisiert und bekommt neben viel Lob aber auch Kritik für die teils überzogene Darstellung sowie die Vereinfachung wirklich komplexer Zusammenhänge und Probleme.

Der Film stellt einige Punkte dar, an denen die Fischerei schuld ist und zeigt die Problematiken wie bereits gesagt sehr emotionalisiert dar, so dass man nicht nur emotional sich den Eindrücken hingeben lassen soll, sondern auch die getätigten Aussagen prüfen sollte.

Zu diesem Zweck finde ich einen Artikel der Website BUND sehr gut, welcher versucht die einzelnen thematisierten Punkte aufzugreifen und kurz zu beleuchten. Ich empfehle dir diesen, sowie die anderen verlinkten Artikel zu lesen wenn du Interesse an dem Thema hast und am Besten zuvor den Film gesehen hast, was die Erfahrung des Filmes hervorragend abrundet.

Wir möchten uns heute jedoch losgelöst von dem Film mit den Zuständen der Meere und dem allgemeinen Konsum von Meeresprodukten beschäftigen.

Konsum von Meeresprodukten

Weltweit liegt der durchschnittliche Konsum eines Menschen bei jährlich 19,2 kg Fisch. Dabei ist zu beachten, dass es meeresnahe und vor allem auch ärmere Regionen in der Welt gibt, welche auf den Fischfang zur Deckung ihres Nahrungs- und vor allem Proteinbedarfs angewiesen sind. Und wie so oft trifft es gerade diejenigen am stärksten. Zum Beispiel werden vor die Küsten Afrikas riesige industrielle Schiffe hingeschickt, welche den Menschen vor Ort die Fische wegfangen und diese somit weiter auf das offene Meer fahren müssen, um sich und ihre Familien zu versorgen. Wir in der westlichen Welt haben sind jedoch auf den Fisch angewiesen und haben somit die Möglichkeit auf Meeresprodukte zu verzichten. Bei uns gilt Fisch jedoch als Genussmittel und landet trotz genügend Alternativen regelmäßig auf deutschen Tellern. Es muss allerdings erwähnt werden, dass der Fischkonsum in Deutschland mit 13,2 kg Meeresprodukte (inkl. Krebs- und Weichtiere) mit 6 kg weit unter dem weltweiten Durchschnitt liegt.

‚Seaspiracy‘ fact check: An expert debunks the controversial Netflix doc (inverse.com) 

Statistiken der Fischerei

Der weltweite Fischfang betrug im Jahr 2018 ca. 90,9 Millionen Tonnen und stieg somit um das fast Achtfache an seit dem Jahr 1950. Damals war die Gesamtmenge des gefangenen Fisches noch bei 12,8 Millionen Tonnen. Die damals förmlich unendlich schienenden Meere scheinen nun mehr und mehr an ihre Grenzen zu kommen. 60 Prozent aller Fischarten gelten als maximal befischt, 33 Prozent sind überfischt und nur 7 Prozent gelten als unterfischt. Dies liegt zum einen an einer immer wachsenden Weltbevölkerung, dem wie bereits zuvor gesehenen weltweit gestiegenen Konsum sowie der Gier der Menschen.

Vor allem die großen und für das Ökosystem so wichtigen Speise- und Raubfische wie z.b. der Thunfisch, der Hai sowie Schwertfisch sind in ihren Beständen um 90 Prozent zurückgegangen, was für ein Ungleichgewicht in den Meeren sorgt und die Balance der Fischpopulationen zusätzlich aus der Balance bringt.

Probleme der Fangmethoden

Die verwendeten Fangmethoden sowie die durch die möglichen Gewinne gestiegene Anzahl an Fischern und größeren Schiffen sind wie in so vielen anderen Bereichen ebenfalls immer „besser und besser“ geworden und fangen heute immer mehr und präziser die noch vorhandenen Fischbestände aus den Meeren. Dabei wird unter anderem auf Schleppnetze zurückgegriffen, welche Quadratkilometer an Meeresboden und damit den Lebensraum ganzer Ökosysteme langfristig zerstören. Außerdem werden hochpräzise 3D-Sonargeräte in Kombination mit digitalen Karten und Satellitennavigation eingesetzt, welche helfen sowohl die Fischschwärme zu lokalisieren und damit zu fangen, aber auch die Zerstörung der Fischereinetze einzugrenzen.

Ein weiteres Problem stellt der nicht zu verhindernde Beifang dar. Nach Schätzungen beträgt die Quote an Beifang mindestens ein Drittel des überhaupt gefangenen Fisches und verhindert dadurch zum Beispiel durch vorzeitiges Sterben einiger Fische die Reproduktion und damit den Erhalt der jeweiligen Art. Zusätzlich haben die Fischer an Board keine Verwendung für den nicht erwünschten Beifang, durch den Stress sowie die lange Zeit an der Luft stirbt ein Großteil der nicht benötigten Fische dennoch und geht teilweise in totem Zustand wieder über Board oder wird zur Produktion von Fischmehl für die Nahrung von Tieren sowie zur Versorgung von Aquakulturen verarbeitet.

Fazit

Auch wenn das nur ein echt kurzer Einblick in die Überfischung der Meere war, hoffe ich dir dennoch ein wenig die Augen für die Problematik geöffnet zu haben. Weiterführend kannst du dir Seaspiracy auf Netflix anschauen, dir die unten verlinkten Artikel durchlesen oder auch selbstständig weiterrecherchieren.

Ich für mich habe nach dem Film entschieden gänzlich auf Meeresprodukte zu verzichten und damit die Fischereiindustrie nicht zu unterstützen und einen ganz kleinen Anteil auf dem Weg zu wieder schöneren und volleren Meeren beizutragen. Ich würde ansonsten empfehlen beim Kauf von Fisch auf zuverlässige Siegel zu achten, die bestenfalls über die Anforderungen des klassichen MSC-Siegels hinausgehen und somit noch stärker eine nachhaltige Fischerei ermöglichen und die Billiganbieter nicht zu unterstützen.

Weiterführende Artikel

«Seaspiracy» – «Eindeutig Propaganda»: Neue Netflix-Doku schockiert mit Bildern und Fakten zum Fischfang | St.Galler Tagblatt

‚Seaspiracy‘ fact check: An expert debunks the controversial Netflix doc (inverse.com)

Überfischung – Eine Tatsache in Zahlen – Fish Forward (WWF)

FAO Fisheries & Aquaculture – The State of World Fisheries and Aquaculture (SOFIA)

Fakten, Daten, Statistiken & Zahlen zur Überfischung | CareElite

Meer: Überfischung – Überfischung der Meere – Meer – Natur – Planet Wissen (planet-wissen.de)

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