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WWF Studie zeigt EU – Verantwortung bei Waldrodungen

Friederike Fischer, 19.04.2021

Dass die Abholzung von Wäldern eine Katastrophe für das globale Klima ist, wissen wir schon lange. Die “Lungen der Welt” verwandeln nicht nur Unmengen von CO2 in Sauerstoff, sondern binden auch  einen großen Teil weltweit in der Vegetation und dem Boden gebundenen Kohlenstoffes, sind die Heimat vieler komplexer Ökosysteme und erhalten so eine unvorstellbare Biodiversität von Pflanzen und Tieren. Und da ja auch die Menschen ein Teil dieser Ökosysteme sind, schaden wir uns mit deren Zerstörung meist auch noch selbst.  

Es ist jedoch zu einfach, über Politiker wie den brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro zu schimpfen, die zum Vorteil der heimischen Wirtschaft diese Zerstörung der Umwelt erlauben. Es lohnt sich, einen Blick auf die Ursachen zu werfen und sich die Frage zu stellen: Wessen Konsumnachfrage wird durch die Rodungen eigentlich befriedigt

Eine detaillierte Antwort gibt der World Wildlife Fund (WWF) in einer Studie, die im April 2021 veröffentlicht wurde. Darin wird errechnet, dass die EU ist für etwa 16% der Abholzung von Wäldern im Zusammenhang mit internationalem Handel verantwortlich. Sie liegt damit international auf dem zweiten Platz hinter China (mit 24%). Zwischen 2005 und 2017 verursachten EU-Importe die Abholzung von 3,5 Millionen Hektar (zum Vergleich: Das sind etwa 4,9 Millionen Fußballfelder oder gut 13x das Saarland), wodurch 1.807 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen wurden. Dies entspricht 40 % der gesamten jährlichen Emissionen der EU.

Der hohe Anteil der EU an der Abholzung der Wälder ist deshalb überraschend, weil zahlreiche Unternehmen und Regierungen sich verpflichtet haben, die Abholzung bis zum Jahr 2020 aus der Rohstoff – Lieferkette 2020 zu eliminieren. Laut WWF Report liegt dies vor allem daran, dass Zusagen des Privatsektors sehr unterschiedlich und uneinheitlich in Bezug auf die verschiedenen Rohstoffe und Biome sind. Zum Beispiel waren im Jahr 2018 62 % der EU-Importe von Soja aus Südamerika durch eine “Zero Deforestation” – Verpflichtungen der Exporteure abgedeckt, verglichen mit nur 19 % der Importe von südamerikanischem Rindfleisch im Jahr 2017. Außerdem sind existierende freiwillige Verpflichtungen laut dem Bericht oft unwirksam und reduzieren die Abholzungen kaum.

Die folgende Abbildung des WWF zeigt die Abholzung tropischer Wälder für importierte Waren zwischen 2005-2017 in den wirtschaftsstärksten EU-Ländern als gesamte Abholzung (rot) und Pro-Kopf-Abholzung (beige). Klar zu erkennen ist, dass Deutschland innerhalb der EU für die meiste Rodung verantwortlich ist. 

 In der folgenden Abbildung des WWF (angepasst durch die Autorin) zeigt sich, welche EU – Importwaren für eine Großteil der jährlichen Abholzung verantwortlich sind, nämlich Soja und Palmöl. Mit etwas Abstand folgt die Haltung von Rindern, Holzprodukte und Kakao.

Eine letzte Frage, die sich nach dem Lesen des Artikels stellt ist: Kann ich eigentlich auch etwas gegen die Abholzung der Wälder in anderen Ländern tun? Und wenn ja, was?

Die Studie kritisiert, dass viele Zertifizierungssysteme für Palmöl, Soja, Kakao, Kaffee und andere Rohstoffe, welche die Abholzung von Wäldern zu verhindern versuchen, uneinheitlich und ihre Erfolge kaum nachgewiesen sind. Laut WWF führt die Zertifizierung in einigen Fällen zu einem geringeren Verlust an Waldfläche, aber es gibt keine Beweise dafür, ob freiwillige Standards Auswirkungen auf die Entwaldung außerhalb der Grenzen der zertifizierten Gebiete haben. Deshalb würde es wohl am ehesten helfen, komplett auf Produkte wie Soja, Palmöl, Fleisch, Kakao, Kaffe, etc. zu verzichten. Die Studie pocht außerdem auf die Relevanz von verbindlichen politischen Maßnahmen aus der EU oder ihren Mitgliedsstaaten – und auch hier kann der einzelne helfen, indem er sich politisch informiert und engagiert, zum Beispiel durch Demonstrieren oder ganz einfach: wählen!

Wir hoffen, du hast durch diesen Artikel einen kleinen Überblick zu den Erkenntnissen der WWF Studie gewonnen. Über Kommentare, Ideen, Kritik freuen wir uns immer, schreibt uns einfach über das Kontaktformular oder team@tryitapp.org 🙂

Dein Try it! Team